Nichtsistleer
Leer
Hinter dir folgend auf den Schatten
Hoffend
Nichts
Vergib uns salziges Geschrei der Totenduft
Bitte sei
Nichts
Hüllenloses Tageslicht auseinander flüchtet sich das
Nichts
Jeder Schritt in ein Loch und Sonne bricht doch
Nichts
Töne ohne Hall wie Taube durch die
Wohnung ich habe
Nichts
Mehr - soviel Verlust in einer Sekunde, so wenig Trost in einer Stunde
Nichts
Leer ist leben
leben ist leer
leben warst du
jetzt ist leben nichts
Mehr
Der Hierarch - ein Abend im April (szenische Lyrik, taktloses Lesen)
Kehle schneidend –schnürende Turnschuhsenkel, Alarm im Hochhaus… bewusst
Bewusst – los
Bewusst – los
Finde den Fehler
Finde das Messer
Wenn nicht tot, dann werde fetter
Erzeuger! Hirnverquollen narrative Gedanken
Im Nichts gepaart
Am Panzer wandert Blut, am Geldschein reibt sich die Muse
Flatrate im Bordell?
Sich selbst zu schade
Geh wie Barschel allein ins Bade –
der Hierarch
Stückenweise entfernte Subkultur
Sie hatte nur den Kopf im Gasherd
Heiner Müllers Erbrechen – deutscher Bühnengeist
Der Monarch und sein Staat
DDR Vasall
BRD Donnerhall
Schwarze Ebbe, entfernte Kerne – Treibholz Endstück
Hier und jetzt
Wo ist da der Imperativ
Finde den Fehler
Finde die Knarre
Sieh in den Lauf, eine Kugel für uns beide
Lass unser Blut Erdbeben sein – Tsunami der Bewussten
Mutter lass das Weinen
Kind lass das Reden
Erde lass das Leben
Der Hierarch und sein Tod
Die Sonne und ihr Mond
Bewusstlos – ein Abend im April!
Brecht!
Brecht
Auseinander zusammen gegen
Brecht
weltall erwacht, sonnenstrahl, meeresschein
brecht
aufeinander über durcheinander
Brecht! Brecht! Brecht!
galilei war mensch und maschine
trieb und treibjagd
wachst und brecht
esst und brecht
seid Brecht! Trakl! Caesar!
Der Zyklop auf dem Thron
Darunter seine Hunde
Krieg ist Fassade
Es ist Brecht
Vergesst
Es nicht…
Unter_
Und sollte ich mich sorgen
Gewinne die Oberhand
Und sollte ich erobern
Gewinn du die Oberhand
Trage unterm Mond das schiere Lachen
Trage unterm Ich das wirre Wachen
Die Tage werden kurz und Blut trinkt
Alle
Der Anzug sitzt zu eng
Und sollte er mich töten
Gewinne die Oberhand
Und sollte ich nicht mehr lachen
Gewinne Du die Oberhand
An ortsfremden Ufern
Wo Meer und Land vereinigt waren
Fließt mein Blut ins Land
Gewinne Du die Oberhand
Lucifer over Japan
Aus der Tiefe stieg er und brachte die Schwingen mit
Und brachte das Frieren mit, den schwarzen Gedanken
Das unerlaubte Schrecken
Mitten in der Nacht, mitten im Ozean, unter den Augen der Einheimischen
Luzifer über Japan
Und der Spiegel erhob sich mit einem Faustschlag
Gegen das Volk, gegen die Erde, gegen die Welt
6 tiefe Hiebe, 6 Meter Massenpanik, 6 tote Kinder in der Nacht
Luzifer über Japan
Nur weil wir ruhig schlafen, wütet er noch immer
Nur weil wir Sushi essen, ist er nicht unsterblich
Nur weil wir seine Kinder sind, verschont er uns nicht
Luzifer über japan
Im Beta Zerfall schwebt Hoffnung
Und der Brutreaktor wird zur Zelle
Keimlinge der hoch gebildeten Kleingeister
Der Lichtbringer regiert uns alle
Luzifer bringt endlich Nacht
Wenn die Evolution sich selber frisst
Und die Kinder
Und die Mütter
Und all die traurigen Gestalten
Lucifer over japan
Zwischen SEIN
Wir leben zwischen Vollwaschmittel und Gardinenweiß, Parkettpflege und Pantoffeln für den Hausgebrauch. Die Zeit der Verachtung ist vorbei. Angekommen im echten Leben, im Normfinden der eigenen Identität, am Ende der Rebellion, des Aufbegehrens und der Illusion anders sein zu wollen. Plötzlich ist die Adventszeit besinnlich, der Glühwein schmackhaft und die selbstgebackenen Plätzchen heilig. Wie Dreck wirkt die Vergangenheit, die da mit ganz anderen Idealen spielte. Ein ungebremster Schatten, der noch lange nicht stillsteht, weil das Herz stets einen Schritt weiter schlägt und immer wieder, weiter, höher ist. Die Zeitlupe verlangsamt nur das Sterben auch wenn die Zeiger sich schneller bewegen. Innerlich tot oder ausgebrannt? Dem Plätzchenmännchen fehlt ein Arm, man isst es trotzdem, keine Spur von Mitleid, dem Elch fehlt das Geweih – er sieht aus wie ein Wildschwein, rapide Metamorphose der Mutationen, man isst es trotzdem, das Kind verhungert ungezeugt, man lebt trotzdem weiter. Was, wenn das Alter mich auffrisst, wenn meine Herkunft mich zermürbt und ich werde wie meine Eltern? Zwei Tage vor Weihnachten stelle ich mir solche Fragen, vielleicht, weil ich nicht die richtigen Weihnachtsgeschenke habe, vielleicht weil Marilyn Manson so herrlich morbide durch die Boxen dröhnt und mich glatte 12 Jahre zurückversetzt, vielleicht auch, weil Warten keinen Spaß macht – wie ein Ladebalken am PC, das Zuschauen ist entsetzlich, aber man kann es nicht lassen.
Die Waschmaschine steht, sie brummt – entsetzlich und ich müsste eigentlich Zähneputzen, es ist bereist 11:34 Uhr. Mittagszeit im Haus, doch keiner macht mit. Krieg müsste man sein, da gehen alle hin, auch wenn sie es nicht wollen. Widerwillig vergleiche ich Jetzt und Gestern, Heute und Morgen und bleibe am Endergebnis hängen wie die Maschine zwischen den Programmen. Ein Wechsel ist unabdingbar, weil die Programmierung stimmt und ein kurzzeitiges Ausschalten führt nur zur Stundung der Ereignisse. Zukunft scheint nur mittelbar einflussfähig zu sein und eigentlich entkommt man ihr nicht.
11:42 und die Zähne sind geputzt, vor dem Haus hat gerade ein rüstiger Alter im aufgemotzten Golf GTI geparkt, ein Auto, das eher nach seinem Enkel aussieht. Stolz wittert er die Blicke der Anrainer und geht noch einmal eine Runde. Ich ignoriere ihn, das Rudelführerprinzip – Aufmerksamkeit gewähre ich und lasse mich nicht dazu auffordern. Apropos Auffordern, die Maschine kündigt ungefragt durch lautes Piepen ihr Ende an und ich muss sie entleeren. Bewegungsabläufe, die mir nicht fremd, aber unheimlich sind, fördern sie doch stumpfe Monotonie im Alltag, doch diese ist längst eingetreten. Freie Tage wirken wie Oasen bis sie vorbei sind, dann sind sie nur noch die Vasallen der Arbeitswoche. Was man von ihnen hat? Mehr Schlaf, weniger Zeit, die Hoffnung auf Erholung und ein ausgedehntes Frühstück.
11:50 Uhr. Dieser Text fängt an mich langweilen, vielleicht sollte ich den Fernseher einschalten, das Gehirn aus und einfach vegetieren, ist ja mein freier Tag, den muss ich genießen. Der Ladebalken ist halb voll und das ganze Leben noch vor mir. Gardinenweiß und Parkettpflege runden das Inventar nur ab. Ich ergebe mich genüsslich den nächsten Tagen und Weihnachten wird weiß. Coma white world singt Manson, von mir aus. Im Koma sind hier sowieso schon alle.
Japan bewegt
Und hinein kam die schwarze Hölle
Wie ein ewig langer Strom aus dunklem blut
Und in ihm schwammen sie
Die Bauern, die Verkäufer, die armen, die kleinen
Die Erlösung auf den Lippen,
den Schmerz in den Augen
wenn das Einzige implodiert
und das Jetzt aufhört.
Wie ein schwarzer Strom aus Hölle
kam das Blut an die Küste
wie die Dunkelheit fraß er das Leben
nimm meine Hand
bitte drück sie fest in dein Herz
nimm die kleine Hand
deiner Tochter – sie ist tot
die Erlösung ist das einzige
im Jetzt der Schmerzen
wenn das Leben implodiert
und das Herz aufhört
Neokrar - Feuer auf Bagdad!